Aktien als private Altersvorsorge: Risiko, Steuern, Dividenden, ETF & mehr

Eine private Altersvorsorge ist eine Muss. Aktien haben sich historisch betrachtet als starke Renditeanlage bewährt. Welche Rolle Risiko, Steuern, Dividenden und ETF bei der Altersvorsorge über Aktien spielen, behandelt dieser Artikel.

Häfuge Frage: Warum keine Immobilien?

steigende Rendite mit Aktien
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In den letzten Jahren sind die Kaufpreise dramatisch gestiegen. Die Experten sind sich uneinig, ob bald eine Blase ansteht. Zudem verursacht eine Immobilie laufende Kosten. Einige Verbraucher sehen das Sparbuch als interessante Alternative an. Leider ist die aktuelle Verzinsung mehr als mangelhaft. Manche Banken zahlen unter 0,3% Zinsen pro Jahr. Das reicht nicht einmal aus, um die jährliche Inflation von rund 2,0% zu decken.

Am Ende bleiben Aktien als Geldanlage übrig. Ein Depot benötigt keine Reparaturen wie die Eigentumswohnung. Als Anleger können Sie es 20 Jahre oder länger ruhen lassen.

Börsenwissen für Investoren

Eine Immobilie bietet eine jährliche Rendite von rund 3%. Setzen Sie auf das falsche Objekt, können Sie immense Verluste erleiden. Dieser Punkt schreckt Anleger auch vor Aktien ab.

Hier hilft folgende Faustregel weiter:
Investieren Sie nur in Aktien, deren Geschäftsmodell Sie verstehen.

Für Anfänger bieten sich Unternehmen aus dem Alltag an. Spazieren Sie durch die Stadt und schauen Sie sich um, welche Firmen Ihnen begegnen. An einem Eisstand wird Coca-Cola verkauft, während auf der Straße ein BMW vorbeifährt. In beiden Fällen ist das Geschäftsmodell klar. Coca-Cola vermarktet Getränke, BMW gilt als bekannter Autohersteller. Daheim können Sie sich im Internet näher zu den Unternehmen informieren.

1. Breite Diversifikation

Langfristig sollten Sie auf stabile Firmen setzen. Das sind vor allem weltweit bekannte Marken aus dem Alltag. Streuen Sie Ihr Kapital unbedingt auf mehrere Wertpapiere. Eine Aktie sollte höchstens 10% des Depotvolumens ausmachen. In der Finanzwelt wird diese Taktik als Diversifikation bezeichnet.

Beispiel: Das Depot besteht aus 10 Aktien mit jeweils 10% Volumen. Eine Firma erweist sich als Totalverlust. Die anderen Aktien müssen jeweils nur um ca. 11% steigen, um diesen Verlust aufzufangen.

Aus diesem Grund sollten Sie diversifizieren. Investieren Sie in eine Einzelaktie, können Sie auf das falsche Pferd setzen. Bei einer Vielzahl von Wertpapieren ist ein „lahmes Pferd“ weniger schlimm.

Grundregeln zur Diversifikation:

  • pro Aktie höchstens 10% Depotanteil
  • nicht zu breit streuen, wenigstens 5% Volumen pro Aktie
  • verschiedene Branchen und Länder berücksichtigen
  • konservative Anleger: weltweit bekannte Marken auswählen
  • risikofreudige Investoren: bis zu 20% des Depots in spekulativen Aktien

2. Auswahl der Aktien

Die private Altersvorsorge ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Daher benötigen Sie stabile Unternehmen. Einem spekulativen Depot kann unterwegs die Puste ausgehen. Dotcom-Blase (2000) und Finanzkrise (2008) haben zu zahlreichen Firmenpleiten geführt. Im DAX war praktisch kaum ein Unternehmen davon betroffen. Die meisten Aktien konnten die Kursverluste nach spätestens 6 Jahren wieder ausgleichen.

Firmen aus wichtigen Indizes gelten als sichere Aktien. Ein Index enthält die größten und umsatzstärksten Unternehmen eines Landes. Das erhöht die Sicherheit dieser Wertpapiere.

Auswahl an Top-Indizes:

  • DAX (Deutschland)
  • FTSE 100 (Großbritannien)
  • Nikkei 225 (Japan)
  • Dow Jones (USA)
  • NASDAQ (USA)
  • S&P 500 (USA)
  • EURO STOXX 50 (Europa)

Das potenzielle Verlustrisiko lässt sich mit defensiven Aktien senken. Gehen Sie die Top-Indizes separat durch und stellen Sie eine Liste an interessanten Firmen zusammen.

Auswahl der Aktien
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Bei der Auswahl hilft Ihnen die sogenannte Burggrabenstrategie weiter. Sie beruht auf dem Börsenguru Warren Buffett. Er sucht gezielt nach Aktien mit einem Burggraben. Solche Firmen haben einen Marktvorteil gegenüber ihren Konkurrenten. Das kann eine starke Marke oder ein technologisch innovatives Produkt sein. Bei Softgetränken denkt ein großer Teil der Weltbevölkerung sofort an Coca-Cola. Die Konkurrenz bräuchte Jahrzehnte, um diesen Vorsprung aufzuholen. Deshalb sind solche Aktien zur privaten Altersvorsorge eine gute Wahl.

Info: Die langfristige DAX-Rendite liegt bei rund 8,5%. Seit 1897 konnte der Dow Jones eine jährliche Rendite von circa 10 % erzielen. Für eine derartige Performance ist eine Haltedauer von mindestens 20 Jahren erforderlich.

3. Dividenden als Bonus

Die meisten Unternehmen schütten eine Dividende aus. Das Geld können Sie als zusätzliches Einkommen betrachten. Es ist zu empfehlen, die Erträge sofort wieder anzulegen. So erzielen Sie auf dieses Kapital zusätzliche Gewinne. Die neuen Aktien werfen nämlich auch eine Dividende ab.

4. Steuerliche Aspekte

Auf Dividende und Kursgewinne wird eine Abgeltungsteuer von 25% erhoben. Zusätzlich kommen Soli und Kirchensteuer hinzu. Bei Verlusten fällt keine Steuer an. Diese lassen sich mit den Gewinnen verrechnen. Pro Jahr gilt ein Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro, bei Eheleuten sind es 1.602 Euro. Der Betrag ist von der Steuer befreit. Jeder überschüssige Euro wird mit der Abgeltungssteuer verrechnet.

Anleger dürfen die volle Summe für steuerfreie Dividenden nutzen. Hierfür erteilen Sie der Bank einen Freistellungsauftrag. Alternativ können Sie zu viel bezahlte Beträge per Steuererklärung zurückholen.

Tipp: ETF als private Altersvorsorge

Anstelle von Aktien können Sie ETFs kaufen. Diese bilden einen Index 1:1 nach. Steigt der DAX um 1,7%, erhöht sich auch der DAX-ETF um 1,7%. Zudem müssen Sie sich nicht mehr um die Auswahl der Aktien bemühen. Der Indexanbieter kümmert sich nach festen Kriterien automatisch um die Zusammenstellung.

Fazit

Aktien eignen sich hervorragend als private Altersvorsorge. Es ist eine jährliche Rendite von über 8% möglich. Dafür müssen die Aktien mindestens 20 Jahre im Depot verbleiben. Erträge aus Dividenden sollten Sie wieder reinvestieren, um sich weitere Gewinne zu sichern. Bei langfristigen Zeiträumen besteht praktisch kaum ein Verlustrisiko. Eine breite Diversifikation ist jedoch eine wichtige Grundvoraussetzung.

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