Aktien: die Bedeutung des KGV für den Kauf und Handel

Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist ein wichtiges Hilfsmittel, um das Potenzial von Aktien und der aktuellen Kurse zu bestimmen. Als Anleger können Sie diese Kennzahl für Ihre Kaufentscheidung an der Börse nutzen.

Was ist das Aktien KGV?

Aktien KGV Analyse
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Mit dieser Kennziffer können Sie unter- oder überbewertete Aktien finden. Ein niedriges KGV deutet auf ein lukratives Investment hin, während ein hoher Wert eher für sinkende Kurse spricht. Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis können Sie Ihr Aktiendepot genau unter die Lupe nehmen. Analysieren Sie die Unternehmen der Reihe nach und sortieren Sie überbewertete Aktien aus. Diese Titel können Sie durch unterbewertete – also günstige – Aktienwerte ersetzen.

Das KGV bezeichnet die Anzahl an Jahren, bis der Anleger seine Aktien durch die Gewinne komplett finanziert hat. Ein Wert von 18 bedeutet, dass es 18 Jahre dauern wird. Nun verstehen Sie, warum ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von Vorteil ist.

So wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis interpretiert:

  • 0 bis 9: Unterbewertung
  • 10 bis 24: normaler Rahmen
  • 25 oder höher: Überbewertung

Wichtig Punkte bei der Bewertung der KGV

Die oben genannten Zahlen sollen Ihnen als Grundlage dienen, denn beim KGV gibt es einige weitere Punkte zu beachten.

1. Fehlerhafte Prognosen

KGV = Kurs einer Aktie / Gewinn einer Aktie

Die Formel ist relativ simpel, aber sie kann mit Fehlern belastet sein. Denn der Gewinn einer Aktie steht nur für das letzte Geschäftsjahr fest, aber nicht für das laufende. Somit geht der Analyst bei der Berechnung von seinen Prognosen aus und genau hier liegt der Haken: Eine unverhoffte Krise kann die Gewinnentwicklung ruinieren.

Die Prognosen müssten nach unten korrigiert werden, was sich negativ auf das KGV auswirkt. Der Wert würde nach oben explodieren und das Unternehmen ist plötzlich überbewertet.

2. Starre Deutung vermeiden

Das KGV lässt sich nicht auf jede Branche anwenden. So kann eine Kennziffer von 40 total überbewertet sein, während es bei manchen Aktien eine super Chance darstellt. Auch ein KGV von 11 kann viel zu hoch sein, wenn sich die Branche in einer schweren Krise befindet.

Die Standard-Bewertung gilt nur für eine „gesunde“ Branche, die schon seit Jahrzehnten etabliert ist. Bei Startups verhält es sich anders: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Hat sich ein neues Unternehmen überraschend positiv entwickelt, steigt der Aktienkurs rasant an. Ein KGV von 100 oder 500 ist keine Seltenheit, wie es bei Amazon oder Tesla der Fall ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis erhöht sich drastisch, sinkt aber im Laufe der Jahre auf ein vernünftiges Niveau herab.

Tipp: Bevor Sie eine Aktie als überteuert abstempeln, sollten Sie sich gründlich mit der Branche befassen. Schauen Sie sich die Konkurrenten an und vergleichen Sie die einzelnen KGV-Werte!

3. Entwicklung des Gesamtmarktes

Viele Anleger vertrauen nur auf das KGV und verlieren damit viel Geld. Ein warnendes Beispiel ist der Neue Markt: Im Jahr 1999 gewannen Informatik- und Technologieaktien enorm an Beliebtheit. Sie wurden nach dem KGV bewertet ohne das gesamte Umfeld zu beachten. Es folgte einer der größten Börsencrashs der Geschichte mit zahlreichen Pleiten. Einige prominente Aktien wie die Deutsche Telekom konnten bis heute nicht mehr an damalige Höchststände anknüpfen.

Deshalb sollten Sie immer auch andere Faktoren in die Kaufentscheidung einbeziehen. Ein sehr wichtiger Punkt ist die aktuelle Marktstimmung. Möchten Sie eine deutsche Aktie kaufen, sollten Sie sich am DAX (Deutscher Aktienindex) orientieren. Befindet er sich in einer Abwärtsspirale, zieht er oftmals viele Kurse mit in den Abgrund.

Informieren Sie sich über die Chartanalyse oder lesen Sie sich in die fundamentale Bewertung von Unternehmen ein. Nutzen Sie weitere Auswahlkriterien für Aktien, um keinen Fehlkauf zu tätigen!

So setzen Sie das KGV sinnvoll ein

Für einen neuen Anleger können diese Informationen verwirrend sein. Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Diese kleine Anleitung hilft Ihnen dabei, einen besseren Durchblick zu gewinnen:

  1. Informieren Sie sich über das Unternehmen. Notieren Sie sich die Branche und schreiben Sie die fünf wichtigsten Konkurrenten heraus.
  2. Handelt es sich um ein Startup oder ist es eine etablierte Firma?
  3. Wie steht es um den Gesamtmarkt? Eventuell würde es sich lohnen, ein paar Wochen mit dem Aktienkauf zu warten.
  4. Vergleichen Sie die einzelnen Unternehmen! Dafür sollten Sie weitere Kriterien wie die Chart- oder Fundamentalanalyse anwenden.

Fazit

Das KGV ist ein sinnvolles Instrument beim Kauf und Handel von Aktien, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Es könnte sich auszahlen, nach Firmen mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis zu suchen.

Die Kennziffer sollte niemals anhand einer festen Tabelle gelesen werden: Es kommt immer auf den Einzelfall an, ob ein Wert von 9 oder 45 zu hoch ist. Manche Firmen verfügen sogar über einen KGV von 500 – und sind nicht überteuert! Deshalb ist ein Vergleich mit den wichtigsten Konkurrenten zu empfehlen.

Als kleiner Helfer taugt das Kurs-Gewinn-Verhältnis allemal, doch es ist kein Wundermittel. Die finale Kaufentscheidung sollte anhand von mehreren Indikatoren (Hilfsmittel) getroffen werden.